Ein typischer Tiemann, mehr nicht

Ein typi­scher Tie­mann-Kom­men­tar geht so: Man kom­bi­niert eine pro­ble­ma­ti­sche Aus­gangs­la­ge mit einer unbe­wie­se­nen Behaup­tung, suche einen Schul­di­gen, der das Pro­blem hand­streich­ar­tig lösen soll, und fer­tig ist die Lau­be. Beim Anschlag auf Char­lie Heb­do sieht das so aus:

Staat­li­che Sicher­heits­ap­pa­ra­te, die unse­re Frei­heit schüt­zen sol­len, schei­nen über­for­dert, die in einer Art Par­al­lel­ge­sell­schaft leben­den und fana­tisch radi­ka­li­sier­ten Isla­mis­ten zu kon­trol­lie­ren, ihnen recht­zei­tig das Hand­werk zu legen. Han­deln muss des­halb die isla­mi­sche Glau­bens­ge­mein­schaft: Indem sie sich von den Extre­mis­ten und deren Sym­pa­thi­san­ten los­sagt und ihnen durch Äch­tung jed­we­der Form von Gewalt den geis­ti­gen Nähr­bo­den ent­zieht.

Das ist unge­fähr so sinn­voll, als hät­te man in den 80ern der Katho­li­schen Kir­che emp­foh­len, sie sol­le doch mal gegen die R.A.F. vor­ge­hen, weil der Staat das Pro­blem nicht in den Griff kriegt.

Klingt so blöd wie es ist. Denn wer wie im Zitat eine Reli­gi­on als Kriegs­re­li­gi­on brand­markt, soll­te sich viel­leicht eher mit sei­nen eige­nen Vor­ur­tei­len aus­ein­an­der­set­zen, anstatt ande­ren Vor­schrif­ten dar­über zu machen, was ihre mora­li­sche Leh­re sein soll.

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WN-Mitarbeiter wehren sich gegen internen Druck

In den letz­ten Tagen konn­te man ver­neh­men, wie der Deut­sche Jour­na­lis­ten­ver­band (DJV) auf sei­ner NRW-Tagung den Aschen­dorff-Ver­­lag, Her­aus­ge­ber der West­fä­li­schen Nach­rich­ten, und im Spe­zi­el­len den Chefredak­teur Dr. Nor­bert Tie­mann auf­rief, den WN-Redak­teu­ren nicht mit fal­schen Infor­ma­tio­nen und Dro­hun­gen die Tar­if­bindung abzu­pres­sen.

Bei mee­dia wird heu­te etwas aus dem Näh­käst­chen der WN geplau­dert:

100 Redak­teu­re der WN sol­len den Aus­tritt aus der Tarif­bin­dung erklä­ren, doch die wider­set­zen sich bis­lang mehr­heit­lich. Eine klei­ne Min­der­heit hat bis­lang unter­schrie­ben, auf Gehalts­er­hö­hun­gen und freie Tage zu ver­zich­ten und eine Wochen­ar­beits­zeit von 40 statt bis­her 36,5 Stun­den in Kauf zu neh­men. Soll­te sich hier­an nicht viel ändern, droht der Ver­lag mit betriebs­be­ding­ten Kün­di­gun­gen und Nor­bert Tie­mann schiebt den Schwar­zen Peter schon mal den eige­nen Jour­na­lis­ten zu:

Eini­ge machen es zum Objekt eines Spiels mit dem Feu­er.

Nee, Herr Tie­mann, das als Grund für Spar­maß­nah­men ange­führ­te Ver­pas­sen des Online-Geschäfts, in das die WN über­haupt erst 2007(!) ein­ge­stie­gen ist, ist zunächst ein­mal Ver­lags­ver­schul­den.

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  • Müns­ter­sche Zei­tung“: DJV-Ver­bands­tag kri­ti­siert Aschen­dorff Ver­lag scharf Nach der Schel­te über die Aus­höh­lung der Müns­ter­schen Zei­tung der nächs­te Nacken­schlag für den Ver­lag der West­fä­li­schen Nach­rich­ten:

    Die Ver­le­ger krem­peln aber nicht nur die Medi­en­land­schaft in Müns­ter um, sie set­zen auch neue Nega­tiv-Maß­stä­be im Umgang mit Tari­fen und Mit­ar­bei­tern. Aschen­dorff will laut DJV aus dem Zei­tungs­ta­rif­ver­trag aus­sche­ren und hat laut DJV die rund 140 Redak­teu­re der West­fä­li­schen Nach­rich­ten (WN) ulti­ma­tiv auf­ge­for­dert, auf die Tarif­bin­dung zu ver­zich­ten. Mit Hin­weis auf ansons­ten dro­hen­de Kün­di­gun­gen wur­den ihnen bereits neue Arbeits­ver­trä­ge zuge­stellt, die mehr Arbeit, weni­ger Gehalt und weni­ger Frei­zeit bedeu­ten.

  • Wir freu­en uns auf Ibben­bü­ren Bäcke­rei Lie­sen­köt­ter inves­tiert sechs­stel­lig in Ibben­bü­ren.
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Forderung des Deutschen Journalistenverbandes

Falls jemand dach­te, die Ruf­ram­po­nie­rung Nor­bert Tie­manns könn­ten nicht schlim­mer wer­den:

Der DJV-Ver­bands­tag for­dert den Ver­lag und ins­be­son­de­re den Chef­re­dak­teur Dr. Nor­bert Tie­mann auf, den WN-Redak­teu­ren nicht mit fal­schen Infor­ma­tio­nen und Dro­hun­gen die Tarif­bin­dung abzu­pres­sen.

Ein Schlag ins Gesicht für jeman­den, der über Goog­le mein­te, es sei ein Unter­neh­men, dass mit Leis­tun­gen Pro­fi­te mache,

ohne die Erbrin­ger die­ser Leis­tung dar­an fair finan­zi­ell zu betei­li­gen.

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Das urbane Lebensgefühl

Eines muss man Nor­bert Tie­mann, dem Chef­re­dak­teur der WN, ja las­sen: Mei­nung hat er – egal wie­viel Ahnung er hat.

Nun schwang er sich auf zu erklä­ren, wie es zu der Abwahl des Ober­bür­ger­meis­ters der CDU in Düs­sel­dorf kam. Er hat wohl gegen eine gol­de­ne Regel ver­sto­ßen, mit der die CDU in Groß­städ­ten gewin­nen kann:

Die her­kömm­li­chen, eher klas­si­schen Lebens­ge­wohn­hei­ten sind in den Groß­städ­ten auf dem Rück­marsch […] Mit ihrem gepfleg­ten Kom­pe­tenz-Pro­fil Wirtschaft/Finanzen/Sicherheit und Ord­nung kön­nen die Christ­de­mo­kra­ten hier nicht mehr ent­schei­dend punk­ten. […] Das urba­ne Lebens­ge­fühl zu ver­kör­pern und im Per­so­nal auch abzu­bil­den ohne Preis­ga­be ihrer iden­ti­täts­stif­ten­den Grund­wer­te ist eine Her­aus­for­de­rung, der sich die CDU stel­len muss; ein Wider­spruch ist es nicht.

Nun ist es in Düs­sel­dorf so gewe­sen, dass die Ober­bür­ger­meis­ter­wahl gera­de im zwei­ten Wahl­gang sicher­lich eine Per­so­nen­wahl gewe­sen ist – war­um auch nicht. Dumm war nur für die CDU, dass deren amtie­ren­der Kan­di­dat, Dirk Elbers, dau­ernd in Fett­näpf­chen getre­ten ist, sei es dass er Que­re­len mit der Feu­er­wehr hat­te; dass er merk­wür­di­ge Geschen­ke annahm; dass er Gel­der für sozia­len Wohn­raum zöger­lich abge­ru­fen hat; dass er Leu­ten (Poli­zis­ten, Kran­ken­schwes­tern), die sich beschwer­ten, sie könn­ten sich die Mie­ten in Düs­sel­dorf nicht leis­ten, riet aus Düs­sel­dorf weg zu zie­hen; dass er Ruhr­ge­biets­städ­te belei­dig­te, indem er mein­te, dort wol­le man nicht tot überm Zaun hän­gen und so wei­ter.

Kurz­um: Er mach­te schlicht einen arro­gan­ten Ein­druck und das, ohne eige­ne Erfolgs­pro­jek­te zu haben. Man hat­te ihn bei der vor­her­ge­hen­den Wahl mit fast 60% gewählt, um die erfolg­rei­che Poli­tik sei­nes Vor­gän­gers wei­ter­zu­füh­ren. In die­ser Hin­sicht hat Elbers schlicht ent­täuscht. Nur so ist zu erklä­ren, dass er gegen einen unbe­kann­ten Nobo­dy so deut­lich ver­lor.

Was das urba­ne Lebens­ge­fühl ist, von dem Tie­mann spricht, weiß ich nicht. Wie irgend­je­mand es pas­send ver­kör­pert, so dass es bei Wah­len aus­schlag­ge­bend sein könn­te, ist mir auch rät­sel­haft. Es spiel­te in Düs­sel­dorf auch kei­ne Rol­le.

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Vor der Wahl und nach der Wahl

Vor der Wahl war die AfD für WN-Chef­re­dak­teu­er Tie­mann noch eine sich selbst zer­le­gen­de Cha­os­trup­pe:

Eine die Poli­tik gestal­ten­de Kom­pe­tenz ist indes nicht erkenn­bar

Aber nach der Wahl könn­te man ja mei­nen, dass die AfD der CDU zur Macht ver­hel­fen kann, also schwupps weg mit den grund­sätz­li­chen Beden­ken, dass mit denen kein Staat zu machen sei:

Kom­mu­nal- und lan­des­po­li­tisch mag es eine ande­re Ant­wort geben

Nee, is klar.

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Tiemanns Peinlichkeiten

Schon lan­ge nicht mehr WN-Chef­re­dak­teur und CDU-Fan Nor­bert Tie­mann behan­delt, aber es gibt ihn noch. Gera­de hält er sich spe­zi­el­les psy­cho­lo­gi­sches Wis­sen über Ger­hard Schrö­der zu Gute:

Es mag mensch­lich ver­ständ­lich sein, dass Schrö­der die sei­ner­zeit welt­weit Irri­ta­tio­nen aus­lö­sen­de Geburts­tags­um­ar­mung mit dem mili­tä­ri­schen Pro­vo­ka­teur Putin im Nach­hin­ein öffent­lich zu recht­fer­ti­gen ver­sucht, indem er sich zu einem der Erfolgs-Väter auf­schwingt. Offen bleibt dabei aller­dings, wel­che der Ges­ten denn nun die pein­li­che­re ist.

Es geht um die Frei­las­sung der OSZE-Mit­ar­bei­ter. Tie­mann unter­stellt, Schrö­der wol­le sich die­se auf die eige­nen Fah­nen schrei­ben. Und das sei pein­lich. Schon blöd, wenn die Mer­kel im Ukrai­ne-Kon­flikt noch nichts geris­sen hat, und ihr Vor­gän­ger unge­fragt auf dem Par­kett erscheint.

Nun ist Schrö­der nicht der Ein­zi­ge, der meint, er kön­ne posi­tiv auf die Frei­las­sung der Gei­seln ein­ge­wirkt haben. Der ehe­ma­li­ge Gene­ral­in­spek­teur der Bun­des­wehr, Harald Kujat, hat vor knapp 2 Wochen in den Raum gestellt, man müs­se womög­lich Schrö­der für sei­nen Ein­satz dank­bar sein. Gre­gor Gysi sieht das ähn­lich. Und Vol­ker Kau­der auch.

Wie Tie­mann jetzt dar­auf kommt, Schrö­der wol­le mit sei­nem Gespräch über die OSZE-Gei­seln die Umar­mung von Putin zu sei­nem Geburts­tag kaschie­ren, das ver­steht wohl wie­der ein­mal nur Tie­mann selbst. Als ob Gas-Gerd so etwas pein­lich wäre.

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Tiemann über Hoeneß

Hoe­neß, das ist bei der WN Chef­sa­che (heu­te in der WN, Link folgt).

kein Jour­na­list hat in die­sen Tagen mit Uli Hoe­neß gespro­chen. Die Suche nach Moti­ven für sei­nen plötz­li­chen Ent­schluss, ins Gefäng­nis zu gehen, sind und blei­ben daher rei­ne Spe­ku­la­ti­on.

Zumin­dest für Jour­na­lis­ten, denen ent­gan­gen ist, dass Uli Hoe­neß sei­ne Moti­va­ti­on selbst erklärt hat:

Nach Gesprä­chen mit mei­ner Fami­lie habe ich mich ent­schlos­sen, das Urteil des Land­ge­richts Mün­chen II in mei­ner Steu­er­an­ge­le­gen­heit anzu­neh­men. Ich habe mei­ne Anwäl­te beauf­tragt, nicht dage­gen in Revi­si­on zu gehen. Das ent­spricht mei­nem Ver­ständ­nis von Anstand, Hal­tung und per­sön­li­cher Ver­ant­wor­tung. Steu­er­hin­ter­zie­hung war der Feh­ler mei­nes Lebens. Den Kon­se­quen­zen die­ses Feh­lers stel­le ich mich.

Vom Spe­ku­lie­ren möch­te Tie­mann aber dann doch nicht die Fin­ger las­sen:

Gänz­lich unbe­ant­wor­tet näm­lich ist bis­lang die Fra­ge nach der Her­kunft der drei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­trä­ge, die ihn erst in den Spe­ku­la­ti­ons- und Betrugs­wahn­sinn getrie­ben haben.

Das Geld ist schuld. Nu wis­sen wir’s.

Hoe­neß […] ver­dient kein Mit­leid, wohl aber Respekt.

Wofür noch­mal? Dafür, dass er ins Gefäng­nis geht und sich nicht zuhau­se ver­schanzt?

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Die dritte Seite der Medaille

WN-Chef­re­dak­teur und CDU-Sym­pa­thi­sant Nor­bert Tie­mann hat sich heu­te auf­ge­schwun­gen, „Roland Pofal­la“ (Tie­mann) zu ver­tei­di­gen:

Wer jetzt laut­stark nach jah­re­lan­gen Karenz­zei­ten für Poli­ti­ker ruft, bevor die­se in die Wirt­schaft wech­seln dür­fen, der muss sich auch die Fra­ge stel­len, wer sich denn dann über­haupt noch für ein poli­ti­sches Spit­zen­amt zur Ver­fü­gung stellt, von dem doch bekannt ist, dass dort Spit­zen­ge­häl­ter wahr­lich nicht zu ver­die­nen sind.

Sehen wir mal ab von der Geld­geil­heit, die Tie­mann den Poli­tik­in­ter­es­sier­ten da unter­stellt, und dass Tie­mann wohl ernst­haft meint, nie­mand wür­de mehr ein poli­ti­sches Spit­zen­amt anstre­ben wol­len, wenn er nicht direkt im Anschluss maß­los über­be­zahlt als Lob­by­ist in die Wirt­schaft gehen kön­ne, raten Sie doch mal, wer für Karenz­zei­ten als Mit­tel gegen sol­che unmit­tel­ba­ren Job­wech­sel war!

«Jetzt kom­men wir an einer recht­li­chen Rege­lung wohl nicht vor­bei: Es ist offen­sicht­lich eine Illu­si­on zu glau­ben, dass der Appell an poli­ti­schen Anstand allei­ne aus­reicht, um sol­che Fäl­le zu ver­hin­dern», sag­te Pofal­la wei­ter. «Ich könn­te mir eine Art Selbst­ver­pflich­tung von Regie­rungs­mit­glie­dern vor­stel­len, für die Zeit nach Aus­schei­den aus dem Amt sich geschäft­li­che Rück­sicht auf­zu­er­le­gen. Auch Karenz­zei­ten hal­te ich für vor­stell­bar.»

Ronald Pofal­la anno 2005.

Aber Tie­mann hat noch eine Nebel­ker­ze im Ärmel:

Poli­ti­scher Lob­by­imus ist die per­sön­li­che Sache von Bahn-Chef Gru­be nie gewe­sen.

Nee, is klar. Wis­sen Sie eigent­lich, wer bis­lang der 2011 von Gru­be ernann­te Cheff­lob­by­ist der Deut­schen Bahn ist? Der ehe­ma­li­ge CDU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Georg Brunn­hu­ber. Und wis­sen Sie, was Brunn­hu­ber vor­her war? Son­der­be­auf­trag­ter für Poli­tik für Rüdi­ger Gru­be.

Viel fal­scher hät­te Tie­mann nicht lie­gen kön­nen.

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Verbal-Getöse

Kann da nicht mal irgend­wer gegen­le­sen, wenn Nor­bert Tie­mann mal wie­der einen Kom­men­tar schreibt? Die­se Unkennt­nis der aktu­el­len Nach­rich­ten­la­ge ist doch nicht mehr fei­er­lich.

Eine Ant­wort auf die eigent­lich zen­tra­le Fra­ge, ob die NSA in Deutsch­land direkt Daten deut­scher Staats­bür­ger abfischt, wird das gegen­wär­ti­ge Ver­bal-Getö­se kaum lie­fern.

Wozu auch, das ist seit Wochen bekannt.

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