Daniel Wichmann: Ella – Die abgestumpften Leiden des jungen W.

wichmannella

Dani­el Wich­mann hat ein auto­bio­gra­phisch anmu­ten­des Buch über einen Dani­el Wich­mann geschrie­ben, der aus Ibben­bü­ren stammt und sein Leben in Ber­lin durch Anschaf­fung eines Hun­des ver­sucht zu ändern.

Jener Dani­el Wich­mann lebt mit sei­ner Freun­din in der Bun­des­haupt­stadt und gera­de scheint er defi­ni­tiv ins Erwach­se­nen­le­ben hin­ein­zu­schlid­dern: Sei­ne Freun­din ist auf dem Weg in eine weg­wei­sen­de beruf­li­che Posi­ti­on, er schließt sein Stu­di­um ab und gelangt an sei­nen ers­ten Job, und in der Bezie­hung bahnt sich an, dass klar wer­den soll, wohin die Rei­se geht. Aller­dings kri­selt es, die Freun­din ver­misst am Ver­hal­ten ihres Freun­des etwas, er beschließt einen Hund zu kau­fen, um zu zei­gen, dass er bereit ist, für die Bezie­hung etwas zu ris­kie­ren – denn er lei­det unter einer Angst vor Hun­den. Da bricht das Unheil auf ihn ein: Sei­ne Freun­din zieht es beruf­lich nach Ham­burg, sein Job nimmt ihm die Zeit, sich pas­send um den Hund zu küm­mern. Er nimmt unan­ge­mel­det einen trink­freu­di­gen und auch sonst chao­ti­schen Unter­mie­ter auf und ver­liert wegen Hund und Unter­mie­ter Job und Woh­nung. Für unse­ren Dan­dy ist dies aller­dings ein Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung, denn erfin­det ein miet­ba­res Haus in der Umge­bung Ber­lins, in das er samt Freun­din, die es in Ham­burg allei­ne nicht aus­hält, und Hund ein­zu­zie­hen gedenkt.

Die Span­nung des Buches speist sich natür­lich etwas aus der Fra­ge, inwie­weit Wich­mann hier auto­bio­gra­phisch vor­geht und was erfun­den ist. Zumin­dest – und das ist die gro­ße Stär­ke des Buches – betreibt er kei­ne Schön­fär­be­rei. Sei­ne Haupt­fi­gur ist ein ziem­li­cher Kauz, fast apa­thisch im Umgang mit sei­ner Umwelt. In den eige­nen vier Wän­den fährt er schon mal aus der Haut, wäh­rend er außer­halb den Schwanz ein­zieht. Sei­ner Freun­din kauft er einen Hund, um die Bezie­hung zu ret­ten, was ein doch sehr selt­sa­mer Schritt ist, wie auch die Freun­din spä­ter anmerkt und in Trä­nen aus­bricht. Und ob das Vor­ha­ben so über­haupt gelingt, steht in den Ster­nen. Sein Unter­mie­ter ist im Gegen­satz zu sei­ner eige­nen Spie­ßig­keit ein Bon­vi­vant, mit dem der Buch-Dani­el aber wenig anzu­fan­gen weiß. Den Leser lässt er gera­de anfangs mit vie­len Ver­glei­chen, die uner­klärt in der Luft hän­gen blei­ben, und den Kapi­teln vor­an­ge­stell­ten Zier­zi­ta­ten allei­ne. Aber war­um soll­te es dem Leser auch anders erge­hen als den Per­so­nen im Buch?

Wich­mann ver­kauft sei­ne Leser nicht für blöd, ris­kiert eini­ges mit einer so auto­bio­gra­phi­schen Geschich­te und lie­fert ein durch­aus inter­es­san­tes Ibben­bü­ren-Bild. Über­haupt soll­te Ibben­bü­ren öfter in der Lite­ra­tur auf­tau­chen, wenn man mich fragt. Also: Lesen Sie die­se Geschich­te!

Dani­el Wich­mann – Ella: Ein Hund fürs Leben

, ISBN: 3855357943, Erschei­nungs­ter­min: 20.02.2014
Weiterlesen

Anja Karlizek unterstützt Anbau von gentechnisch verändertem Mais

Wir erken­nen die Vor­be­hal­te des Groß­teils der Bevöl­ke­rung gegen­über der grü­nen Gen­tech­nik an.

steht im Koali­ti­ons­ver­trag der aktu­el­len Regie­rung, bedeu­tet aber nicht, dass das irgend­et­was bedeu­tet.

Mich hat ja kurz nach der Wahl jemand gefragt, ob ich nicht wie er, Hoff­nun­gen durch die Wahl von Anja Kar­li­c­zek ver­bän­de. Da war ich ja gera­de noch am Kopf­schüt­teln, weil sie auf Face­book die­se uner­träg­li­che Mär von Arbeits­platz­ver­lus­ten durch Erhö­hung des Spit­zen­steu­er­sat­zes vom Sta­pel gelas­sen hat:

Mit der Erhö­hung des Spit­zen­steu­er­sat­zes und der Ver­mö­gen­steu­er tref­fen sie mit­tel­stän­di­sche Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten bei här­ter wer­den­dem Wett­be­werb ins Mark ihrer Exis­tenz. Sie ris­kie­ren ohne Not vie­le Arbeits­plät­ze und dann sind doch immer die­je­ni­gen am meis­ten betrof­fen, die nicht so leis­tungs­fä­hig sind. Denen hel­fen sie durch Steu­er­erhö­hun­gen nicht, son­dern ris­kie­ren deren Grund­la­ge. Für Dienst­leis­tungs­be­ru­fe kön­nen Sie am meis­ten tun, wenn Sie die Wert­schät­zung von Dienst­leis­tung neu in unse­rer Gesell­schaft ver­an­kern. Bit­te hel­fen Sie mir dabei!

Bei der CDU kommt man immer mit der Angst­ma­che­rei um Arbeits­plät­ze um die Ecke, wenn es um den Spit­zen­steu­er­satz geht. Als ob man ein Bei­spiel eines Lan­des geben könn­te, wo das mal der Fall gewe­sen sei.

Wer die Hoff­nung immer noch nicht begra­ben hat: Anja Kar­li­c­zek hat natür­lich auch brav das Vor­ha­ben, gen­tech­nisch ver­än­der­ten Mais in Deutsch­land anzu­bau­en, unter­stützt . Wie war das noch mit Risi­ko ohne Not? Wert­schät­zung? Aner­ken­nung der Vor­be­hal­te des Groß­teils der Bevöl­ke­rung?

Etwas plas­ti­scher erklärt es quer:

Weiterlesen

Jürgen Kehrer: Wilsberg – Gottesgemüse

Der drit­ter Teil der Wils­berg-Bücher-Serie, Got­tes­ge­mü­se

, spielt im hoch­be­tuch­ten Sek­ten-Milieu. Das Buch wur­de nicht ver­filmt, die Hand­lung kommt einem aller­dings auch hin­läu­fig bekannt vor. Viel­leicht war das in den 90ern anders, aber unterm Strich bleibt nur eine Ver­fol­gungs­jagd nach Eng­land übrig. Weder son­der­lich span­nend, noch sprach­lich oder inhalt­lich im Gedächt­nis blei­bend.
Weiterlesen

Warum die NOZ weiterhin ein Abo ohne Digital-Zugang hat

Ein wenig wun­dern durf­te man sich (heu­te in der gedruck­ten Ver­si­on, ges­tern online) ja schon, dass die IVZ einen frei zugäng­li­chen Arti­kel der NOZ vom Mon­tag über­nimmt, ihn dann aber mini­malst umschreibt. Aber sei’s drum. Es ist halt manch­mal inter­es­san­ter, was die NOZ so schreibt.

Wie zum Bei­spiel das, was die Redak­ti­on der NOZ gera­de zu ihrem neu­en Abo-Modell schreibt. Inzwi­schen soll man für Arti­kel der NOZ über Abos online Geld zah­len. Die­se Abos sind nicht von einem Zei­tungs-Abon­ne­ment abhän­gig. Man kann also nur die gedruck­te Zei­tung bestel­len oder nur ein Online-Abo, wahl­wei­se für Smart­pho­ne oder Com­pu­ter. Das ist genau das Gebüh­ren­mo­dell, was eini­ge Kun­den der IVZ sich gewünscht hat­ten.

Sei­tens der IVZ hat­te man damals gemeint:

Wür­den wir aber unser Print­pro­dukt durch ein zusätz­li­ches Digi­tal­an­ge­bot schwä­chen – und das wür­de ohne Zwei­fel pas­sie­ren -, dann könn­ten wir unse­ren Inserenten/Werbekunden kein ver­läss­li­ches Ange­bot mehr machen; heißt: Die Reich­wei­te der Tages­zei­tung wür­de sin­ken und damit auch die Attrak­ti­vi­tät der Wer­bung in ihr.

Und da über­rascht die Stel­lung­nah­me der NOZ dann doch etwas, wenn man begrün­det, wes­we­gen man gera­de kei­ne Kopp­lung von gedruck­tem und Online-Abon­ne­ment anbie­tet:

wir hät­ten ger­ne für alle Zei­tungs­abon­nen­ten den kos­ten­lo­sen Zugriff ermög­licht.

Lei­der haben wir uns steu­er­li­chen Grün­den anders ent­schei­den müs­sen: Wäh­rend die Zei­tung nur einer Umsatz­steu­er von sie­ben Pro­zent unter­liegt gilt für digi­ta­le Pro­duk­te der Regel­satz von 19 Pro­zent. Das hät­te für uns bedeu­tet, dass wir bei einer kos­ten­lo­sen Zuga­be zum Zei­tungs­abon­ne­ment mög­li­cher­wei­se etwa ein Vier­tel unse­rer gesam­ten Erlö­se aus dem Zei­tungs­ver­kauf mit 19 Pro­zent MwSt. hät­ten bele­gen müs­sen. Um die­ses Risi­ko deut­lich zu ver­rin­gern, müs­sen Abon­nen­ten sich jetzt bewusst für das Web-Abo zum eher sym­bo­li­schen Preis von einem Euro ent­schei­den und alle rei­nen Zei­tungs­abon­ne­ments unter­lie­gen wei­ter­hin dem ermä­ßig­ten Steu­er­satz.

Bei einem Abo-Preis der gedruck­ten Zei­tung von stol­zen 33,90€ ist die Rede von einem sym­bo­li­schen Preis, den ein Digi­tal­abo im güns­tigs­ten Fall zusätz­lich kos­tet, aller­dings so eine Sache.

Weiterlesen

Die Bezahlschranke der NOZ

Jetzt hat auch die Neue Osna­brü­cker Zei­tung eine Art Bezahl­schran­ke, die man nach eige­ner Dar­stel­lung durch Abschlie­ßen von Digi­ta­l­A­bos über­win­det. 10 Arti­kel kann man fort­an direkt und kos­ten­los lesen, danach soll man sich anmel­den und kann wei­te­re 10 Arti­kel kos­ten­los lesen. Die Ange­bo­te sind preis­lich durch­aus attrak­tiv. Alter­na­tiv kann man aber auch ein­fach die Coo­kies der NOZ löschen und schran­ken­los lesen wie bis­her.

Weiterlesen

Journalismusimitation der WN

Was ich auch mal ger­ne wis­sen möch­te, ist, ob Zei­tun­gen sich gar nicht mehr an Tren­nung von Wer­bung und Zei­tungs­be­rich­ten hal­ten müs­sen. Soll­ten Wer­be­tex­te nicht mal gekenn­zeich­net wer­den? Denn die­ser Text kann nie­mals ernst­nehm­ba­rer Jour­na­lis­mus sein.

Der Text han­delt angeb­lich von der Akzep­tanz der WN-App sei­tens der Benut­zer. Man könn­te jetzt erwar­ten, dass auf die vie­len nega­ti­ven Kri­ti­ken der App ein­ge­gan­gen wür­de, dass Nut­zer­zah­len ange­ge­ben wer­den, wenigs­tens irgend­wel­che Daten zu Nut­zer­ver­hal­ten. Pus­te­blu­me. Statt­des­sen liest man:

Haben sich iPad und Co. wirk­lich schon durch­ge­setzt? Sie haben!

Bele­ge für die Ant­wort: Null. Wenn Sie sich jetzt fra­gen, was hat denn die Fra­ge, ob sich iPad und Co. durch­ge­setzt haben, mit der Fra­ge nach der Akzep­tanz der WN-App zu tun hat? Fal­sche Fähr­te.

Wie kann man sei­ne Leser nur so für blöd ver­kau­fen?

Weiterlesen

Peter Buwalda – Bonita Avenue

buchleser

Mehr als 300.000 Mal wur­de die­ser Schmö­ker allei­ne in den Nie­der­lan­den ver­kauft. Es han­delt vom Ensche­der Hoch­schul­leh­rer Sie­ri­us, des­sen Kin­der sei­ner Patch­work-Fami­lie im Erwach­se­nen­al­ter Pro­ble­me machen, was als heil­lo­se, gewalt­vol­le und sexu­el­le Kata­stro­phe sein Leben zer­stört.

Der Ver­gleich mit Jona­than Fran­zen hinkt, denn bei Boni­ta Ave­nue

han­delt es sich weni­ger um eine gesell­schaft­li­che Ana­ly­se über eine Fami­lie als um die Ody­see eines fami­liä­ren Nie­der­gangs. Im Nie­der­län­di­schen reißt der Roman durch sei­ne Wort­ge­walt mit, wel­che in der deut­schen Über­set­zung lei­der oft­mals holp­rig daher kommt. Man braucht sicher­lich einen län­ge­ren Atem, um mit dem Werk zurecht zu kom­men, aber es lohnt sich.
Weiterlesen

Reinhold Hemker zur Bundestagswahl vor Ort: Rolle des Kümmerers vernachlässigt

1. Der SPD-Kan­di­dat Jür­gen Coße hat die Direkt­wahl gegen die CDU-Kan­di­da­tin Anja Kar­li­c­zek im Wahl­kreis Stein­furt III deut­lich ver­lo­ren. Coße führ­te als Grund für sein schlech­tes Abschnei­den ver­gli­chen mit der BTW 2009 an, dass Sie 2009 kei­nen grü­nen Mit­be­wer­ber hat­ten. Die SPD Ibben­bü­ren spricht von einem Mer­kel-Sog, gegen den nicht ange­kom­men wor­den wäre. Über­zeu­gen Sie die­se Erklä­run­gen?

hemker

Rein­hold Hem­ker: Die Grün­de für den Wahl­aus­gang auch im Wahl­kreis 128 sind natür­lich kom­ple­xer. Es ist zum Bei­spiel nicht gelun­gen, deut­lich zu machen, dass die von Sozi­al­de­mo­kra­ten in der Zeit der Rot-grü­nen Koali­ti­on und dann auch in der Gro­ßen Koali­ti­on ver­tre­te­ne Finanz-, Sozi­al- und Wirt­schafts­po­li­tik eine der wesent­li­chen Grund­la­gen dafür war und ist, die zu der ver­gleichs­wei­se guten Situa­ti­on in Deutsch­land geführt hat.

Da hilft es natür­lich kaum, wenn vor­wie­gend dar­auf gesetzt wird, dass nur mit der SPD die not­wen­di­gen und rich­ti­gen Refor­men zum Bei­spiel in den Berei­chen Gesund­heit, Pfle­ge, Finan­zen, Ener­gie und auch inter­na­tio­na­le Ent­wick­lung mög­lich sind. Die Rol­le des Küm­me­rers wur­de dabei ver­nach­läs­sigt.

2. Im Wahl­kreis Stein­furt III tra­ten zwei Bewer­ber an, die zunächst bei­de wenig bekannt waren. Anja Kar­li­c­zek lös­te das Pro­blem, indem sie viel Prä­senz bei diver­sen Ver­an­stal­tun­gen zeig­te, auch wenn sie inhalt­lich nicht her­aus­ra­gen konn­te. Die Mit­be­wer­be­rin der Par­tei Die LINKE, Kath­rin Vog­ler, spricht davon, Kar­li­c­zek habe einen unpo­li­ti­schen, emo­tio­na­len Wahl­kampf geführt, was die Wahl­kampf­lei­te­rin Kar­li­c­zeks „Sym­pa­thie­wahl­kampf“ nennt. Kann man mit einem Wahl­kampf, der auf Inhal­te zielt, vor Ort kei­ne Wahl mehr gewin­nen?

Rein­hold Hem­ker: Inhal­te und Per­son waren und sind nie von­ein­an­der zu tren­nen. Die von den Kan­di­da­tin­nen und Kan­di­da­ten ver­tre­te­nen Inhal­te und Pro­gram­me müs­sen glaub­wür­dig, schlüs­sig und ver­ständ­lich ver­tre­ten wer­den.

Das ist Frau Kar­li­c­zek offen­sicht­lich auch durch ihre offe­ne Art und auch durch die manch­mal zuge­ge­be­ne man­geln­de Kennt­nis in Detail­fra­gen als Erst­be­wer­be­rin im Wahl­kreis gelun­gen. Ich hat­te bei dem, was ich in den Aus­sa­gen in den Medi­en wahr­ge­nom­men habe, nicht den Ein­druck, dass sie die Ver­mitt­lung der inhalt­li­chen Aus­sa­gen ver­nach­läs­sigt hat.

Ich habe in den Jah­ren mei­ner par­la­men­ta­ri­schen Tätig­keit auch immer ver­sucht, die zu ver­tre­te­nen Inhal­te mit mei­nem Leben und damit mei­ner Per­son in Ein­klang zu brin­gen. Ich glau­be, dass die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, die zur Wahl gehen, das auch für rich­tig hal­ten.

3. Die im Bun­des­tag ver­tre­te­nen Par­tei­en äußern der­zeit klar, mit wem man nicht koalie­ren will, aber nicht, mit wem man ger­ne koalie­ren wür­de. Was für eine Lösung erwar­ten Sie und wel­che Zukunfts­aus­sich­ten den­ken Sie, hat die­ses Pro­jekt?

Rein­hold Hem­ker: Es geht bei der Regie­rungs­bil­dung und der anschlie­ßen­den Regie­rungs­füh­rung immer dar­um, die rich­ti­gen und mög­lichst guten Lösun­gen für die Kern­auf­ga­ben bei der Gestal­tung der Zukunft zu fin­den. Und das muss immer mit Blick auf die glo­bal zu gestal­ten­de Welt gesche­hen.

Das wird jetzt auch Mess­lat­te sein dafür, wel­che Ent­schei­dun­gen für eine Regie­rungs­be­tei­li­gung mög­lich sein kön­nen. Es wür­de also bei Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen für die SPD dar­um gehen, ob die wesent­li­chen Inhal­te und Zie­le des Wahl-und Regie­rungs­pro­gram­mes bei einer etwai­gen Regie­rungs­be­tei­li­gung um-und durch­ge­setzt wer­den könn­ten.

Es muss natür­lich auch geprüft wer­den, ob eine kon­struk­tiv-kri­ti­sche Arbeit als größ­te Oppo­si­ti­ons­frak­ti­on im Bun­des­tag in der jet­zi­gen Situa­ti­on nicht bes­ser wäre. Zum jet­zi­gen Zeit­punkt eine bestimm­te Koali­ti­on zu favo­ri­sie­ren wäre völ­lig falsch. Die von mir gewünsch­te Koali­ti­on ist lei­der nicht mög­lich.

Dr. Rein­hold Hem­ker saß für die SPD als Ver­tre­ter des Wahl­krei­ses Stein­furt III von 1994 bis 2009 im Deut­schen Bun­des­tag.

Weiterlesen

Was der Kernkritikpunkt an Norbert Lammerts Dissertation ist

Es war abzu­se­hen, dass auch bei den Pla­gi­ats­vor­wür­fen gegen die Dok­tor­ar­beit von Bun­des­tags­prä­si­dent Nor­bert Lam­mert irgend­wann Nebel­ker­zen gewor­den wer­den. Es ist bezeich­nend, dass sich der sich selbst Qua­li­täts­jour­na­lis­mus dafür her­gibt.

Das Schwie­ri­ge an der Ver­tei­di­gung der Pro­mo­ti­on gegen die Vor­wür­fe sind die­se selbst. Wie lau­ten sie? Im Kern: Lam­mert gibt frem­de Rezep­ti­ons­leis­tun­gen, d.h. die Wie­der­ga­ben gele­se­ner Lite­ra­tur, als eige­ne aus. Kann das nach­ge­wie­sen wer­den, sehe ich nicht, wie eine der­ar­ti­ge Pro­mi­ti­on gehal­ten wer­den kann.

Nun hat Nor­bert Lam­mert gemäß den Vor­wür­fen kei­ne wort­wört­li­chen Pla­gia­te began­gen [Kor­rek­tur, 14.00 Uhr: Auch das wird ihm vor­ge­wor­den, s. S. 100 der Dis­ser­ta­ti­on]. Auch das Auf­tau­chen nahe­zu iden­ti­scher Ver­wei­se allein ist kein Pla­gi­at. Die Vor­wür­fe kon­zen­trie­ren sich aber spe­zi­el­ler dar­auf, dass an vie­len Stel­len mit ande­ren Arbei­ten inhalts­glei­che Ana­ly­sen ange­stellt wer­den, bei denen inhalts­glei­che und feh­ler­glei­che Fuß­no­ten nahe­le­gen, dass die dor­ti­gen Anga­ben und Ana­ly­sen unge­prüft und ohne wis­sen­schaft­li­che Eigen­leis­tung über­nom­men wur­den.

Es geht nicht um in den 70er Jah­ren unter­schied­li­che Zitier­ge­pflo­gen­hei­ten oder unzu­rei­chen­de Ein­zel­fuß­no­ten­kenn­zeich­nun­gen, wie die ZEIT sei­nen Lesern weiß­ma­chen will.

Auch bei der FAZ klingt der Nebel­ker­zen­ar­ti­kel zu Lam­mert merk­wür­dig:

Wenig spricht dafür, dass es sich bei Lam­merts Dok­tor­ar­beit um Pla­gia­te han­delt.

Es reicht ja, wenn irgend­et­was stich­hal­tig dafür spricht. Aber es wird noch sku­ri­ler:

Wenn es nach dem der­zei­ti­gen Kennt­nis­stand einen kri­ti­schen Ein­wand gegen die­se Dis­ser­ta­ti­on vor­zu­brin­gen gäbe, dann wäre es die Fall­stu­die am eige­nen CDU-Kreis­ver­band, über des­sen Ent­schei­dungs­pro­zes­se der Autor nicht nur mehr wuss­te als ande­re, son­dern an des­sen Ent­schei­dun­gen er auch selbst betei­ligt war.

Und was ist mit dem Kern­vor­wurf, den die Auto­rin des Arti­kels nicht ein­mal the­ma­ti­siert? Ist der über­haupt zur Kennt­nis genom­men wor­den?

Den Vogel schießt aller­dings Dago­bert Ernst bei der WAZ ab, der den Lam­mert-Kri­ti­ker ein­fach mal mit dem NSA-Skan­dal gleich­setzt, und so einen Täter­tausch her­bei­zau­bert:

Auch Pla­gia­te-Jagd kann zu einer Form der Bespit­ze­lung wer­den. Nur dass „Big Bro­ther“ hier in jedem steckt, der dabei mit­mischt.

Beden­kens­wert, auch wenn der Zusam­men­hang zur Dis­kus­si­on um Nor­bert Lam­merts Dis­ser­ta­ti­on nicht klar ist, ist, was Joa­chim Huber schreibt:

irgend­wann hat es der Dok­to­ren­stand geschafft, den Nicht- Dok­to­ren ein­zu­re­den, dass der Herr Dok­tor und die Frau Dok­to­rin etwas Bes­se­res sind. Fein­geis­ter, Fein­züng­ler, fei­ne Men­schen halt. Poli­ti­ker und Dok­tor, die­se Kom­bi­na­ti­on galt bald als unschlag­bar. Des­we­gen die­se tie­fe Sehn­sucht in den Rei­hen der Kon­ser­va­ti­ven und der Libe­ra­len nach dem „Dr.“ auf dem Wahl­pla­kat.

Weiterlesen

Jörg Hartmann/ Jürgen Kehrer – Wilsberg: In alter Freundschaft

wilsbergfreundschaft

Den zwei­ten Wils­berg-Kri­mi gibt es seit letz­tem Jahr auch als Comic-Ver­si­on (die gibt es auch online), illus­triert durch Zeich­nun­gen von Jörg Hart­mann. Damit trifft man neben den zwei Fern­se­her­mitt­lern nun auf die drit­te bild­li­che Ver­kör­pe­rung des Georg Wils­berg. Wür­de mich ja wun­dern, wenn der es nicht noch in Müns­ter auf die Büh­ne schafft.

Hart­mann gelin­gen sehr schö­ne Zeich­nun­gen Müns­ters und Ams­ter­dams, das hat mir sehr gut gefal­len. Der Fall ist ähn­lich span­nungs­reich oder span­nungs­arm wie der ers­te, hat einen ähn­li­chen Ver­lauf, was aber als Comic durch­aus unter­halt­sam funk­tio­niert. Die Ver­fil­mung war­tet mit der bezau­bern­den Bar­ba­ra Rud­nik auf, einem gut auf­ge­leg­ten Thors­ten Nin­del, Tho­mas Schü­cke und einer glän­zen­den Rita Rus­sek.

Wor­um geht’s? Wils­berg muss die Ver­stri­ckun­gen, in die sei­ne alte, immer noch ver­ehr­te Jugend­lie­be sich ver­fing und letz­ten Endes dar­an zu Grun­de ging, ent­wir­ren. Dabei kriegt er wahl­wei­se der­be eins auf’s Maul (Buch/Comic) oder mit der Poli­zei zu tun (Film).

Weiterlesen