Ein typischer Tiemann, mehr nicht

Ein typi­scher Tie­mann-Kom­men­tar geht so: Man kom­bi­niert eine pro­ble­ma­ti­sche Aus­gangs­la­ge mit einer unbe­wie­se­nen Behaup­tung, suche einen Schul­di­gen, der das Pro­blem hand­streich­ar­tig lösen soll, und fer­tig ist die Lau­be. Beim Anschlag auf Char­lie Heb­do sieht das so aus:

Staat­li­che Sicher­heits­ap­pa­ra­te, die unse­re Frei­heit schüt­zen sol­len, schei­nen über­for­dert, die in einer Art Par­al­lel­ge­sell­schaft leben­den und fana­tisch radi­ka­li­sier­ten Isla­mis­ten zu kon­trol­lie­ren, ihnen recht­zei­tig das Hand­werk zu legen. Han­deln muss des­halb die isla­mi­sche Glau­bens­ge­mein­schaft: Indem sie sich von den Extre­mis­ten und deren Sym­pa­thi­san­ten los­sagt und ihnen durch Äch­tung jed­we­der Form von Gewalt den geis­ti­gen Nähr­bo­den ent­zieht.

Das ist unge­fähr so sinn­voll, als hät­te man in den 80ern der Katho­li­schen Kir­che emp­foh­len, sie sol­le doch mal gegen die R.A.F. vor­ge­hen, weil der Staat das Pro­blem nicht in den Griff kriegt.

Klingt so blöd wie es ist. Denn wer wie im Zitat eine Reli­gi­on als Kriegs­re­li­gi­on brand­markt, soll­te sich viel­leicht eher mit sei­nen eige­nen Vor­ur­tei­len aus­ein­an­der­set­zen, anstatt ande­ren Vor­schrif­ten dar­über zu machen, was ihre mora­li­sche Leh­re sein soll.

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